Zweiundvierzig

Heute wäre dein 42. Geburtstag gewesen. Wir hätten Sacher- oder Schwarzwälder Kirschtorte gegessen. Wir hätten lauter Anspielung auf „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ gemacht und gescherzt, dass du nun die Antwort aller Fragen wärst. Wen interessiert schon die Frage selbst?  Ich weiß nicht, ob du jetzt alle Antworten und Fragen kennst. Ich weiß nur, dass du weißt, dass mein Herz zu zerbrechen droht, wenn ich daran denke, dass du dieses neue Lebensjahr nicht erreichen kannst. Ich dich in vier Jahren, vier Monaten und zwei Tagen eingeholt haben werde. Dieser unabänderliche Fakt ist mit dem Verstand immer noch nicht zu fassen. Immer noch nicht? Vielleicht nie.

„Nothing’s real, nothing’s making sense…“

„Liebe ist für immer“, der Postkartenspruch entstammt einem Bilderrahmen, den ich mit Fotos von dir bestückt habe. Die verwelkte Rose kommt von dem Kranz, den wir dir aufs Grab gelegt haben. Als Oma noch bei Verstand war, warnte sie immer: „Man soll nicht alt werden“. Das Alter ist grausam und erbarmungslos. Die Alternative, „nicht alt werden“ ist vielleicht noch schrecklicher. Letzten Endes haben wir im Normalfall aber eh keine Wahl.

„Trapped between this life and the light“

Während mein Mann sich auf sein erstes Konzert seit zwei Jahren 600 Kilometer entfernt vorbereitet (toi toi toi!), sitze ich alleine in dem großen Gebäude und arbeite. Auch dem letzten Konzert vor der Pandemie konnte ich aus demselben Grund nicht beiwohnen. Da schließt sich wohl auch ein Kreis. „Ich liebe die Sonne, die Sonne liebt mich nicht“, singt Lindemann („Wer weiß das schon“). Das passt doch ganz gut. Der süffisante „Arbeit macht frei“-Spruch stimmt aus seinem unsagbar furchtbaren Kontext gelöst (!) insofern, als dass sie ablenkt. Es ist gut, beschäftigt zu sein. Aber eben auch nicht ununterbrochen mit jedem Herzschlag möglich. Manchmal sind Gedanken eine Last.

„I’ve wondered if there’s something more…“

Eines der Lieder, die ich für deine Beerdigung ausgesucht habe, macht mich traurig und hoffnungsvoll zugleich:

„I hope that tomorrow the sun will shine“

 

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