Die KAMMER (10.10.2018)

Am 10.10.2018 laden die KAMMER-Musiker zu einem exklusiven Pressekonzert in das Studio 44 in Wien. Vorgestellt werden erstmals einige Kompositionen des brandneuen Albums – offizieller EVT ist der 12.10.2018 – Some T#ings Wrong in kompletter achtköpfiger Live-Besetzung. Meine Liebeserklärung an das Album ist in der Orkus!-Oktober-Ausgabe nachzulesen (übrigens auch ein lesenswertes Interview mit Marcus „Max“ Testory und Matthias „Matze“ Ambré, das in der November-Ausgabe fortgesetzt wird), aber die Songs live zu erleben ist freilich nochmal eine Klasse für sich.

In gediegener Umgebung treffen wir auf die bizarr anmutende Bussi-Gesellschaft des Sponsors. Während wir schon froh sind, wenn der Boden bei diversen Veranstaltungen nicht klebt und die Damentoiletten mit Klobrillen ausgestattet sind, werden wir hier hofiert und mit Getränken versorgt (später gibt es sogar ein Buffet). Kurzum: das Publikum ist äußerst gemischt. Letztlich bringt uns die ehrliche, handgemachte, außergewöhnliche Musik der KAMMER ein bisschen zusammen. Wie das? Hier sei der Schirmherr Dietmar H. zitiert, der seine 30-jährige Erfahrung „im Business“ postulierte und in diesem Zusammenhang baff zugab „So wos hob i no nie g’hört“, also so etwas habe er noch nie gehört. Auch wenn wir wohl in anderen musikalischen Gewässern fischen, kann ich mich dem nur anschließen. Die KAMMER sticht heraus, die KAMMER passt in keine Schublade – und das ändert sich natürlich auch mit Season IV nicht.

 

 

 

 

 

Nach einer den Fokus auf die Ausführlichkeit gelegten, sehr bemüht vorgetragenen Band-Vorstellung kommen sie dann endlich, die acht KAMMER-Musiker, die mit dem Intro ihres Home of the Wrong ihre Plätze einnehmen und dann sofort loslegen. Der auch auf Season IV zu hörende Opener mündet in das kraftvolle How Dare You, und dieses wiederum in das gefühlvolle, nachdenklich machende Stück Bedroom Wars. Großartig auch die dramatische Komposition Mercy Me, mit der Max zahlreiche Facetten seiner herausragenden, dunklen Stimme zeigt. Und Matze rockt sowieso von der ersten Sekunde an mit seiner Akustikgitarre härter als so mancher Strom-und-Stecker-Gitarrist. Ingo Römlings Blick bleibt beim Bassspielen konzentriert und ernst, aber es ist spürbar, wie beseelt er von den Klängen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im folgenden Song In Dubio können auch Harold Nardelli an der Tuba, Violinist Matthias Raue und natürlich die beiden Musikerinnen am Cello und der Viola alles geben. Oliver Himmighoffen sorgt am Schlagzeug unentwegt für den richtigen Rhythmus.

Nachdem Max von dem durchsichtigen Getränk im Glas vor sich sichtlich enttäuscht ist – es enthält nur Wasser – bekommen er Matze schließlich ein Gläschen mit etwas, das wie Schnaps aussieht. Was dies genau war, entzieht sich unserer Kenntnis, selbst Max scheint sich nicht sicher zu sein.

Die komplexen Zeilen des düsteren Gunshot Residue meistert er jedenfalls bravourös. Ruhiger, aber nicht weniger charakterstark folgt The Second Man on the Moon.

 

 

 

 

Auflockerung bringt das bereits aus Season III bekannte Gingerbread Heart mit der Melodica. Danach darf Sinister Sister als absolutes Kultlied genau so wenig fehlen wie Max‘ Schmähs zwischen den Stücken. Nun halten es die Fans im Publikum nicht mehr aus, es gibt stehende Ovationen und es wird kräftig mitgesungen. – Und das im Rahmen eines Pressekonzertes! Wow!

 

 

Als Zugabe geht die KAMMER noch einen Stück weiter in ihre Vergangenheit und berührt mit dem gefühlvollen Mirror aus Season II. Da ist es auch völlig in Ordnung, wenn das eine oder andere Tränchen fließt …

Der Stress der vergangenen Tage und Wochen ist während der gesamten Performance keinem der acht Musiker anzumerken. Stattdessen nur eines: pure Leidenschaft und Liebe zur Musik, die das Oktett verbindet. Jede Note, jeder Ton, jedes Wort ein Genuss für Körper und Geist. Glücklich und sprachlos lassen Die KAMMER uns schließlich zurück. Und haben mit Sicherheit auch jene überzeugen können, die bis jetzt nichts von der Existenz der KAMMER wussten.


 

Setlist:
Home of the Wrong
How Dare You
Bedroom Wars
Mercy Me
In Dubio
Gunshot Residue
The Second Man on the Moon
Gingerbread Heart
Something’s Wrong with Me
Sinister Sister
Zugabe: Mirror

 

 

Apropos Zusammenkommen: Die KAMMER verbindet. Das ist kein blöder Spruch, sondern das habe ich am eigenen Leib erfahren: Michael Fischer habe ich es zu verdanken, dass ich den Bericht mit guten Fotos bebildern kann. Er sah meine sichtliche Unfähigkeit hinter der Kamera, bat mich, sie ihm doch mal auszuleihen und Schwupps war er ganz in seinem Element. Danke nochmals dafür!

Hier sind auch nochmal die KAMMER-Konzerttermine. Wir sehen uns dann im Dezember, oder?
11.10. München, Backstage
12.10. Nürnberg, Der Cult
13.10. Hameln, Sumpfblume
17.10. Köln, Club Volta
18.10. Hamburg, Nochtspeicher
19.10. Leipzig, Moritzbastei
20.10. Berlin, NUKE Club
26.10. Oberhausen, Kulttempel
27.10. Frankfurt/M., DAS BETT
13.12. Wien, ((szene))
14.12. Braunau, Gugg
15.12. Dresden, Puschkin

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