Schattenmann & Megaherz (15.03.2018)

Grelles Licht durchbricht schockartig die Dunkelheit, während Nils als Erster die Bühne betritt und sich hinter das Schlagzeug setzt. Er gibt den unwiderstehlichen Takt vor, als Gitarrist Jan, Bassist Luke und schließlich Fronter Frank ihre Plätze einnehmen. Grüne LED illuminieren die Instrumente (und das Mikrofonkabel)  und das Schwarzlicht lässt die Schminke der Musiker neongrün leuchten. – Das Markenzeichen von Schattenmann. Und dann geht die Show mit dem Song Schattenmann auch schon los. Das Publikum lässt sich von Anfang an auf die junge Band ein, im Laufe des Auftritts werden immer mehr Zuschauer den Saal betreten und, von der großartigen musikalischen Darbietung gefesselt, stehenbleiben.

Man headbangt zu Brennendes Eis, dann wird es mit der schönen Ballade Gekentert ruhiger, aber nicht weniger energiegeladen. Weniger als einhundert Prozent können Schattenmann nicht geben. Das ist nicht nur zu sehen, sondern deutlich spür- und erlebbar. Ekstase breitet sich aus. Ein Krieger des Lichts wird aus den Zuschauerreihen auserkoren und darf im entsprechenden Song – Schattenmann tragen jetzt leuchtende Guy-Fawk-Masken und dunkle Mäntel – den Krieger des Lichts darstellen, wird unmittelbar Teil der bewegenden Performance.

Falls das nicht schon längst passiert ist, so passiert es spätestens jetzt: Das starke Gefühl des Miteinanders schwappt von der Bühne auf die Konzertbesucher über und verursacht ungeahnte Emotionen, stellt eine starke Bindung zu den Künstlern her.

Es folgt der absolute Ohrwurm-Kracher Generation Sex mit frivol-witziger Performance. Daraufhin laufen wir Amok und als Finale kommt auch schon das Titellied des Debütalbums Licht an.

Die Wahl, diesen Track als letztes zu spielen, hatte mich persönlich anfangs überrascht – ich las wenige Tage zuvor den Konzertbericht der Tour-Eröffnung in Zürich, der übrigens – auch mit deutlich besseren Bildern – in der April-Ausgabe des Orkus! nachzulesen ist – und so hatte ich mir schon vorab ein paar Gedanken gemacht. Jetzt muss ich aber definitiv feststellen: die Wahl war goldrichtig und stimmig. So stimmig, dass wir als Draufgabe Trümmer und Staub miterleben dürfen, bis Schattenmann sich unter tosendem Applaus verabschiedeten. Das taten die sympathischen Musiker angesichts der Begeisterungsstürme, die ihnen in Wien entgegengebracht wurde, sichtlich gerührt und dankbar. Letzteres können aber auch wir sein: durften wir doch Teil ein wirklich einmaligen Live-Erlebnisses sein. Live-Konzerte lösen etwas aus, was ein Studioalbum – so herausragend es auch sein mag – nicht vermag.

Mehr „aufgeheizt“ hätte ein Publikum nicht sein können. Und wenn, dann wären wir schlichtweg in Flammen aufgegangen. Die pure Energie hielt auch während den Bühnenumbauarbeiten an, bis es für Megaherz schließlich hieß: Vorhang auf. Neben den Urgesteinen X-ti, Wenz, Lex und Christoph – von deren Live-Qualitäten mit Sicherheit niemand mehr überzeugt werden muss – sind Megaherz übrigens mit neuem Schlagzeuger unterwegs: Tobias. Der macht seine Sache so souverän und gut, als wäre er schon immer dabei gewesen. Patzer? Die gibt es nicht. Stattdessen eine gewohnt effektvolle Show des Quintetts, und die Fans gehen mit jedem Song mehr und mehr ab.

Die unverzichtbaren Klassiker Jordan, Roter Mond und Zombieland folgen, bis wir dann für den Horrorclown und den über uns hereinbrechenden Komet bereit sind. Wir befinden uns im Tiefenrausch und sind tief bewegt, als Von Oben erklingt. Nicht weniger geht es uns mit 5. März oder Glas und Tränen, dann stehen uns Glorreiche Zeiten bevor. Scherben bringen Glück oder Gott sein werden ebenso mitreißend vorgetragen wie Nicht in meinem Namen – zu dem Lex, der ja die Personifizierung von Charisma ist, auch einige erklärende Worte von sich gibt. An Megaherz geht der Zeitgeist nicht vorüber, so viel ist klar. Letztlich ist aber alles Nicht genug, und so neigt sich die Show ihrem Ende zu. Wirklich? Nein, ohne das Miststück geht hier niemand! Megaherz lassen sich nach ihrem ersten Bühnenabgang nicht lange bitten und kommen für einige Zugaben-Stücke zurück, darunter natürlich Jagdzeit und Himmelsstürmer, das uns ekstatisch die Sonne und den Mond grüßen lässt.

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