Filme rund um Ed Gein

Neulich wurde ich gefragt, ob ich denn auch Filme schaue. Was für eine Frage – nur weil zu 98% die Bücher besser als der Film sind, heißt das nicht, dass ich keine Filme mag ;). Darum gibt es jetzt die neue Rubrik „glotzen“.

In den letzten Wochen habe ich ein paar Filme rund um Ed Gein, den „Ghoul von Plainfield“, gesehen. Angeregt wurde das Interesse durch den Film Hitchcock mit dem unvergleichlichen, aber hinter dem Make-up schwer zu erkennenden Anthony Hopkins als Titelstar. Dieser Film ist übrigens sehr empfehlenswert. Es geht um die Schaffensgeschichte von Psycho – dem Hitchcock-Klassiker schlechthin. Jedenfalls basiert Psycho (den, so glaube ich, jeder Mensch in der westlichen Welt einmal gesehen haben sollte) bekanntermaßen auf den Serienkiller Edward Gein, der in den 1950er Jahren in Plainfield, Wisconsin, sein Unwesen trieb. Interessierte werden im Netz bestimmt fündig. Die Figur des Norman Bates aus Psycho ist nur geringfügig an Ed Gein angelegt. In dem Zusammenhang möchte ich auf die Serie Bates Motel aufmerksam machen. Die spielt zwar in einer Mischzeit, die Vergangenes mit der Gegenwart vermengt, hat zwischendurch auch mal ihre Längen, ist aber echt gut gemacht. Und das Ende war doch irgendwie überraschend! Norman wird übrigens von Freddie Highmore gespielt (der Protagonist aus Charlie und die Schokoladenfabrik und seit neuestem auch jener von The Good Doctor).

Kurz und gut: Ich erinnerte mich an einen Film, der „so ähnlich wie Psycho“ ist. Und prompt zauberte meine Mutter ein altes VHS-Band hervor. So schauten wir uns Besessen aus dem Jahr 1974 in schlechter Qualität und mit einigen Werbeunterbrechungen an. Ein wenig Recherche später hatten wir auch die DVD davon in Händen. Der Film wurde kurzerhand nach dem englischen Original Deranged umbenannt und mit dem vielversprechenden Untertitel Geständnisse eines Necrophilen versehen. Es handelt sich um die ungeschnittene Version, die Szenen enthält, die in früheren Fernsehfassungen fehlen. Die Extras liefern auch einige interessante Fakten über das Vorbild: So ist der gutmütige Ezra Cobb (der übrigens von dem genialen Roberts Blossom, der u.a. in Kevin allein zu Haus den verschrobenen, alten Mann darstellt, gespielt wird) Edward Gein nachempfunden. Und tatsächlich handelt es sich hier um die meiner Meinung nach beste Verfilmung des Themas überhaupt. Schade, dass der Film bis heute recht unbekannt geblieben ist!

Das Thema Nekrophilie, Leichenschänden, sich-etwas-Nützliches-aus-Menschenhaut-Basteln im Zusammenhang mit Kannibalismus (was Edward Gein aber nie eindeutig nachgewiesen werden konnte) nährt natürlich jenste Horrorfilmungen. Zu nennen sind Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas, 1974) und alles, was irgendwie mit Leatherface zu tun hat. Ich weiß, Remakes sind meistens mühsam … aber ich muss gestehen, dass ich The Beginning (2006) recht gut fand. Bleibt aber letztlich Geschmackssache.

Ganz wild nach mehr Fakten über Edward Gein besorgte ich mir den 2007 erschienenen Film Ed Gein – Der wahre Hannibal Lecter und wurde böse enttäuscht. Wer den Film nicht kennt, soll froh sein. Die „wahre“ Geschichte bietet den Filmemachern scheinbar nicht genug Stoff – es muss ein merkwürdiges Liebesdrama eingewoben werden und am Ende dann doch noch alles gut ausgehen. Ed Gein ist nicht nur ein Sonderling, sondern ein voll Kraft strotzender, brutal aussehender Mann, der Menschen problemlos mit einer Hand erwürgen kann. Das macht er natürlich auch – vorzugsweise vergreift er sich an hübschen jungen Frauen. Wenn man an das reale Vorbild denkt, das kleiner als 1,60 groß war und recht harmlos erschien, ist diese Umsetzung eine doppelte Enttäuschung. Außerdem hat Edward Gein mit Hannibal Lecter in etwa so viel Ähnlichkeit wie ich mit einer Stubenfliege. (Die Verbindung zu Thomas Harris Hannibal-Reihe ist Buffalo Bill, der an Ed Gein angelehnt ist und in Das Schweigen der Lämmer vorkommt „Es reibt sich die Haut mit der Lotion ein“).

Was mir noch fehlt, ist In the Light of the Moon (Ed Gein – The Wisconsin Serial Killer). Von dem heißt es, dass er an der Geschichte nah dran wäre.

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