Sirius City of Vienna (Thomas Burger)

Ich habe mir natürlich beide Bände gekrallt und ließ mich nicht von der Dicke der Bücher (insgesamt über 1.100 Seiten) abschrecken. Und siehe da – schon nach den ersten Seiten konnte ich völlig in diese Welt eintauchen. Zeit und Raum spielten keine Rolle mehr. Thomas Burgers Erzählstil ist kantig und ehrlich. Er verzichtet auf hochtrabende Wörter und komplizierte Formulierungen, was die Figuren – die übrigens auch einen Einblick in die Metalszene geben – sehr lebendig gestaltet. Für  besondere Authentizität sorgt der maßvoll eingesetzte Gebrauch der Wiener Mundart. Als Vollblutwiener und Sprachwissenschaftler begeistert mich dies natürlich ganz besonders.

Die verschachtelte nicht lineare Erzählstruktur treibt die Erzählung interessant voran und erzeugt eine permanente Spannung. Außerdem scheint es Thomas Burger zu genießen, mit den Erwartungen zu spielen – nur um diese dann zu zerstören oder den Ereignissen eine unerwartete Wendung zu geben. Erwähnenswert sind außerdem der beißende Humor und die klare Gesellschaftskritik, die in Sirius City of Vienna herauszulesen ist, ohne dabei unangenehm anklagend zu sein.

Mag George Orwells 1984 auch heute noch furchtbar aktuell sein – man denke nur an das aufgezwungene „Neusprech“ mit Wörtern, die wir nicht mehr sagen, schreiben oder denken dürfen – so fängt Thomas Burger in Sirius City of Vienna Gegenwart und Zukunft gleichermaßen ein. Düster und erschreckend ist das Bild, das er uns zeigt – ist der Spiegel, der die entstellte Fratze der Gesellschaft, in der wir leben, offenbart …

Ein interessantes Interview mit dem Autor gibt es übrigens in der Orkus!-Novemberausgabe 2016. Und hier gehts zur Homepage von Thomas Burger.

 

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